2nd Man On The Moon

by NiwoHate

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credits

released November 23, 2013

tags

license

all rights reserved

about

NiwoHate Halle (Saale), Germany

Postrock aus Deutschland.
Das Ziel: auch ohne Gesang sprachlos machen.

Der Weg: Wir stellen die Leinwand und die Farbe, das Bild zur Musik jedoch, malt sich jeder Zuhörer selbst.

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Track Name: NWH_MD_072088.1.1
Okay… also dann fang ich mal an.

Mittlerweile wird man wohl wissen, was mit mir geschehen ist. Welch Ironie, dass gerade mir das passieren musste ... aber dazu später mehr.

Laut der Anzeigen meines Anzuges habe ich noch für etwas mehr als eine Stunde Sauerstoff.

Mein Name ist Richard Schreiber.
Und dies ist meine Geschichte
Track Name: 1.2
Meine Kindheit verlief, wie eine Kindheit sein sollte. Spiel, Spaß, Schokolade sowie hin wieder eine Überraschung.

Eigentlich ... eine Überraschungs-Ei Kindheit
Track Name: 1.3
Alles veränderte sich, als mein Vater verschwand.

Ich erinnere mich noch genau, wie meine Mutter spätabends an mein Bett trat und mir mit blutunterlaufenen Augen mitteilte, dass er als verschollen galt- und wohl nicht wiederkommen würde.
Mein Bewusstsein verweigerte sich dem Begreifen.

Er war Seemann, ich war es also gewohnt ihn drei oder vier Monate nicht zu sehen.
Dementsprechend glaubte ich noch lange, er käme bald zurück. Mit vielen Souvenirs und Geschenken aus aller Welt im Gepäck.
Ich war noch zu jung um die Gründe verstehen zu können, als plötzlich dieser andere Mann bei uns einzog, bei dem meine Mutter angeblich Trost fand.
Und sie von mir verlangte dass ich ihn als neuen Vater anerkannte.
Er hasste mich, vom ersten Moment an.
Ich sah es in seinen Augen, ja, ich konnte es sogar spüren!
So sehr verachtete er mich, dass es schon durch seine Poren zu dringen schien.
Immer bei jeder sich ihm bietenden Gelegenheit, vor allem wenn wir allein waren, beschimpfte er mich. Drohte mir damit, meiner Mutter etwas anzutun wenn ich nicht das tat was er von mir wollte, oder ich ihr etwas von „unserem kleinen Deal“, wie er es nannte, erzählen würde.
Ich war...

Ein Nichts.
Track Name: 1.4
Meine Mutter verschloss Augen und Verstand vor dem was er mir antat.
Heute weiß ich, sie tat es aus Verzweiflung...

Aber als kleiner Knirps kennt man den Begriff der Einsamkeit und die Angst davor, nur als absolut endlichen Zustand, der sich innerhalb der nächsten Stunde wieder verflüchtigt haben würde und somit einer grundlegenden Reflexion kaum der Rede wert war.

Immer wenn meine Mutter Nachtschicht hatte ging er in die Stadt, kam sturzbetrunken wieder in unsere Wohnung und brüllte mich an.
Oder schlimmeres.

Ich schlief unter dem Dach, mein Bett stand direkt unter einem riesigem Fenster, und jedes verfluchte mal, wenn er mich „besuchen“ kam, wünschte ich mich auf das einzige Objekt, was in dieser Zeit überhaupt einen Reiz auf mich auslöste: den Mond.

Er wurde so etwas wie mein stiller Begleiter, ein Zufluchtsort, den ich einfach nur erreichen müsste. Weit genug weg um ihm endlich entgehen zu können.

Irgendwann nach einer Vollmondnacht, in der er wieder in meinem Zimmer stand, fragte ich meinen Astronomielehrer, was man den tun müsste um zum Mond fliegen zu können.
Er meinte, Astronauten machen das, aber um ein Astronaut werden zu können, müsste ich etwas in diese Richtung studieren.
Die fixe Idee wurde bald zu meinem Lebensinhalt, ja sogar das einzige, was mich die ständige Tortur überhaupt noch aushalten ließ.
Nach dem Abitur ging ich zum Militär.
Denn mit viel harter Arbeit, Zielstrebigkeit und etwas Glück konnte man von dort aus zur European Space Agency kommen. Und dann war es nur noch ein Katzensprung bis ich zum Mond fliegen könnte.

Bis dahin hieß es aber erst mal: Haltung, Disziplin, Gehorsam.

Mein Leben war dem Befehl untergeordnet.
Track Name: 1.5
Ich schloss das Studium summa cum laude ab. Der Vertrag mit der ESA war schon lange unterschrieben.

Die Qualen, das ganze Leben eine einzige Metamorphose mit dem einem Ziel, gehörten jetzt schon fast der Vergangenheit an. Von hier war es nur noch ein Blinzeln in meiner Lebensgeschichte.

Ich würde es allen zeigen.

Ausdauertraining, G-Belastungstest, psychologischer Test, Unterwassertraining... bis jeder Handgriff sitzt.

Die letzten Minuten vor dem Start hingen zäh wie alter Sirup in der Luft.
Die ansagen der Techniker hörte ich schon lange nicht mehr, reagierte einfach automatisch, wie programmiert, das innere Auge schon unverrückbar auf das absolute Ziel gerichtet.

Dann endlich! Take Off!
Track Name: Next Horizon
Womit sich dann der Kreis schließen dürfte...

Die Ironie des Schicksals, das unser Shuttle von Weltraumschrott getroffen wird, auf dem Mond abstürzt und ausgerechnet ich überlebe, grenzt an ein perfides Wunder.

Nun liege ich hier und betrachte diesen unseren wunderschönen Planeten, den ich nie wieder lebend betreten werde.

Man kann die Chinesische Mauer tatsächlich von hier aus sehen...
Wie klein und sinnlos die eigenen Probleme werden angesichts der schieren Demut, die einen unweigerlich bei solch einem Anblick überkommt.

Ich verzeihe ihm nicht, das bring ich nicht übers Herz.

Aber es ist jetzt egal.

Mein Name ist Richard Schreiber.
Und dies war meine Geschichte...